Steuerfrei mit dem Dreiländer Trick

Wer „auswandern“ möchte, ist allzu oft in der Vorstellung gefangen, dass er dafür das nicht mehr geliebte Vaterland gegen ein anderes Land ersetzen muss. Doch das ist schlichtweg falsch!

Abmelden macht frei!

Mit der Abmeldung bei der Meldebehörde erlöschen deine gesamten Pflichten in Deutschland. Du mußt dafür nicht nachweisen, dass du woanders einen Wohnsitz genommen hast, es reicht völlig aus, das Land zu verlassen. 

Die Behörde wird dich lediglich zu statistischen Zwecken fragen, wohin die Reise gehen soll. Dazu empfehle ich ein beliebtes Zielland außerhalb der EU anzugeben. Einfach so, es kann und wird niemand kontrollieren, doch wenn Medellín, Kolumbien in der Abmeldebestätigung vermerkt ist, fällt es leichter Mobilfunkverträge loszuwerden. Auch eventuellen Fragen der gesetzlichen Krankenkasse nach einer Anschlußversicherung im EU-Ausland dreht das schnell die Luft ab.

Das war es im Groben und Ganzen. Herzlichen Glückwunsch, du hast es geschafft, ein freier Mensch zu werden!

Denn natürlich ist damit auch deine persönliche Steuerpflicht in Deutschland erloschen. Abgesehen jedenfalls von Sonderfällen, wie Firmenbeteiligungen und ähnlichen Verflechtungen. Nun musst du nur noch aufpassen, keinem anderen Land in die Falle zu gehen. 

Mit einer „Anmeldung“ wo auch immer, würdest du jedoch genau das tun. Nur wenige Staaten sind so unangenehm wie Deutschland, doch Staat bleibt Staat und System bleibt System. Frei lebst du nur dann, wenn du erst gar keinem angehörst.

Frei bleiben – so geht es

Ganze 23 Länder auf dieser Welt verlangen gar keine Steuern von ihren Bürgern. Davon haben jedoch alle ziemlich gravierende andere Nachteile. In 40 weiteren Ländern kannst du dich dauerhaft niederlassen, wobei deine Einkünfte aus dem Rest der Welt steuerfrei bleiben (Territorialbesteuerung). Dazu gibt es noch einige mehr oder weniger interessante Sonderfälle, auf die ich hier nicht eingehen möchte. 

Doch auch wenn sich unter all den Ländern keines findet, das dein Herz höher schlagen läßt, ist es noch kein Beinbruch. Du musst deine Lebenszeit nur geschickt zwischen mindestens drei Ländern aufteilen und ein paar zusätzliche Kleinigkeiten beachten, um einer Steuerpflicht dauerhaft zu entgehen.

Die Sache mit den 183 Tagen

Nahezu alle Länder mit Residenzbesteuerung (Besteuerung nach Aufenthalt) legen einen Aufenthalt von mehr als einem halben Jahr, 181 oder 183 Tagen, als Kriterium für eine steuerliche Veranlagung fest.

Bleibst du weniger Zeit im Land, lebst du steuerfrei. Das gilt jedenfalls, wenn Dir kein „Lebensmittelpunkt“ unterstellt werden kann. Kriterien dafür sind regelmäßig:

  1. Kinder in der Schule
  2. Ansässige Ehepartner
  3. Erwerbstätigkeit im Land
  4. Firmen und sonstige wirtschaftliche Interessen (Immobilienbesitz reicht nicht aus)

Die meisten Staaten halten sich bei der Unterstellung eines Lebensmittelpunktes an diese Punkte. Die „Verfügungsgewalt über eine Wohnung“, wie in Deutschland, reicht nicht aus. Es empfiehlt sich dennoch, das von Einzelfall zu Einzelfall zu prüfen. Gerade eben habe ich gelernt, dass in Holland die Mitgliedschaft in einem oder mehreren Vereinen zur Steuerpflicht führen kann. Ja, sogar wenn sich dein Hausarzt in Holland befindet, kann das schon ausreichen.

Lang, kurz, lang, oder lang, lang, kurz?

Erfüllst du jedoch keines der Kriterien, kannst du problemlos deine Sommer am Mittelmeer verbringen und deine Winter in der Karibik, so wie ich das tue. Weniger als 181 Tage Spanien und weniger als 181 Tage in Mexico. Also vielleicht ein kleiner Zwischenstopp in Amsterdam oder Lissabon? 

Das Schöne an dieser Lösung ist, dass sich damit die steuerlichen Vorteile des Nomadenlebens mit den Annehmlichkeiten eigener Wohnungen verbinden lassen. Denn in den meisten Ländern löst die Verfügungsgewalt über eine Wohnung eben noch keine Steuerpflicht aus. 

Das Gleiche gilt übrigens auch für eine erteilte Aufenthaltsgenehmigung. Meine mexikanische „Residencia Temporal“ berechtigt mich nur dazu, länger als 180 Tage pro Jahr im Land zu bleiben. Tue ich es jedoch nicht, muss ich in Mexico trotzdem keine Steuern zahlen. Feine Sache!

Alles kann, nichts muss, wenn du die Klaviatur des internationalen Lifestyles beherrscht.. 

Wer prüft das nach?

Zuerst einmal wird das keinen Menschen interessieren, sehr lange nicht.

Leider werden die Zeiten nicht besser und irgendwann könnte der Moment kommen, in dem Fragen gestellt werden, spätestens dann, wenn du dein Geld in Immobilien investieren willst, oder wenn sich die Compliance deiner Bank mal wieder verschärft. Dann solltest du schnell und überzeugend antworten können.

Ich lege mir für jedes Jahr einen visuellen Kalender an, in dem meine spanischen Tage gelb markiert sind und die mexikanischen rot. Das gibt zwei schöne Blöcke. Die Tage in anderen Ländern markiere ich grün.

Dazu lade ich mir die Abrechnungen meiner täglich genutzten Kreditkarte herunter und speichere sie im gleichen Ordner. Das ist wichtig, weil sie nach einigen Jahren nicht mehr abrufbar sind.

So kann ich auf Nachfrage, von wem auch immer, jederzeit einen Aufenthalt von weniger als 183 Tagen im Land belegen.

Das Beste aus zwei Welten

Auf diese Art und Weise genieße ich meine Wintermonate im Kreise vieler Gleichgesinnter Freiheitsfreunde im lauten, bunten Mexico. Wenn es mir dort zu heiß wird, ziehe ich um in unsere luxuriöse Altbauwohnung im Herzen von Barcelona und schlemme mich ein paar Monate durch die außerordentliche Gastronomie dieser Weltstadt. 

Ich möchte doch gar nicht mehr dauernd an einem Ort leben müssen! Der halbjährliche Wechsel ist mir viel weniger lästige Pflicht, als vielmehr ein luxuriöses Merkmal eines sorgfältig durchdachten Lebensstils.

Wenn du nun glaubst, dass zwei Mieten und ein paar Flugtickets ganz schön viel Geld verschlingen, dann frag dich einfach mal, wie viel Steuern du im letzten Jahr bezahlt hast und wie viel Zwangsbeiträge an sinnlose Versicherungen geflossen sind?  

Lass dich beraten…

Gerne helfe ich auch dir bei einer Analyse deiner Wünsche und deiner persönlichen Ausgangslage. Du wirst erstaunt sein, welche Möglichkeiten auch dir offen stehen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.