JuicyFields! Seid ihr bekifft?

Dieser Artikel ist seit ein paar Wochen online und ich habe eine ganze Reihe von Kommentaren dazu bekommen. 

Insbesondere wird mir darin vorgeworfen, schlampig recherchiert zu haben. 

Dazu folgendes: Die Website von JuicyFields gibt praktisch keine verwertbaren Informationen her. Recherchiert man über sekundäre Quellen im Internet stößt man sehr schnell auf veraltete Informationen. Sie sind deswegen veraltet, weil sich in diesem Unternehmen sehr viel, sehr schnell ändert.

Die Leute hinter JuicyFields und ihre Fangemeinde sind geradezu ängstlich darauf bedacht, keine Informationen preiszugeben.

Dabei wäre es doch so einfach, eine Liste der “Grow-Partner“ mit ihren Lizenzen zu veröffentlichen.

Es wäre so einfach, einen Geschäftsbericht mit greifbaren Umsatzzahlen zu veröffentlichen.

Es ist etwas, was ich von jedem seriösen Unternehmen erwarte. Jedes seriöse Unternehmen tut das auch gerne, wenn es wirklich erfolgreich ist. Denn es ist ein Argument für eine Investition.

Finde ich dagegen nur Nebelkerzen, ist das ein starkes Argument gegen eine Investition.

Jeder erfahrene Investor lacht daher nur über Läden wie JuicyFields. Ich meine damit Leute, die wirklich schon ein Vermögen verdient haben und ihre “finanzielle Freiheit“ erreicht haben. Ich zähle mich selbst dazu.

Es sind die Unerfahrenen und Naiven, die auf solche Maschen hereinfallen und sie verteidigen sie auch noch vehement.

„Warum sollen wir nicht auch einmal Glück haben?“

Weil es diese Art “Glück“ nicht gibt. Sie ist ein falsches Versprechen. Immer!

Macht selbst daraus, was Ihr daraus machen wollt.

Nun viel Spaß beim Lesen!

Ein Kapitalistenschwein lässt sich nicht gerne betrügen. Deshalb schauen wir uns allzu gut klingende Investment- und Geschäftsmodell besonders kritisch an. 

Unsere Alarmglocken schrillen, wenn so etwas plötzlich massiv und von Leuten angepriesen wird, die sich ansonsten nicht die Bohne für Investments interessieren. Aktuell haben wir daher JuicyFields unter die Lupe genommen.

Cannabis als Mode-Investment

Investitionen in Geschäftsmodelle mit Cannabis sind momentan en Vogue.

Laut Statista wurden 2020 in Europa auf dem legalen Cannabis-Markt ca. 230,7 Millionen Euro umgesetzt. 

Prognosen rechnen damit, dass sich diese Umsätze bis 2025 auf mehr als 3,1 Milliarden Euro mehr als verzehnfachen könnten. Speziell die Legalisierung für medizinisches Cannabis hat ohne Frage einen lukrativen Markt geschaffen und in den ist JuicyFields laut eigenen Aussagen eingestiegen.

Was uns dabei wundert ist allerdings, dass JuicyFields auf diesem Markt mehr zu verdienen scheint als alle anderen auf dem Cannabis Markt tätigen Unternehmen zusammen. 

Nur so wären die unverhältnismäßig hohen Renditen erklärbar, die JuicyFields verspricht.

Scams sehen für Laien immer perfekt aus

Wenn ich den Auftritt von JuicyFields nach unserem Vorsicht-Scam-Schema analysiere, dann bekomme ich schnell den Eindruck, dass deren Vorgehensweise die gleiche ist, wie bei nahezu allen bisherigen Pyramidensystemen, die nach relativ kurzer Zeit geplatzt sind.

Bedenke dabei, dass es zuerst nie glasklare Beweise für einen Betrug gibt! Sonst würden Scams ja nicht funktionieren. 

Dennoch gehen Betrugsmaschen seit über 100 Jahren immer gleich vor:

  1. Unüblich hohe Renditen bei, zuerst, pünktlichen Auszahlungen 
  2. Werbung ist auf Vertrauen und nicht auf Zahlen und Fakten aufgebaut
  3. Das Geschäft wird ausschließlich von Laien empfohlen
  4. Die sogenannten Gewinne werden aus Einlagen neuer Kunden bezahlt. 
  5. Speziell diesen letzten Punkt erfährt man natürlich erst hinterher.
  6. Bestehende Warnungen von Aufsichtsbehörden, oder im Internet.

Der JuicyFields Hype

Der beginnt mit dem Versprechen, völlig simpel, einfach und ohne jede Vorkenntnisse Renditen von 35% bis zu 500% verdienen zu können.

Das zweite Alarmzeichen ist, dass Laien in euphorischen Posts versichern, das Unternehmen recherchiert und das Angebot umfassend getestet zu haben. 

Der einzige angeführte Beweis für die Seriosität ist dabei allerdings nur, dass sie die erste Auszahlung aus ihrer 50€ Investition tatsächlich auf ihr Bankkonto erhalten haben. Leute, so funktionieren Scams, deshalb funktionieren Scams!

Natürlich wird JuicyFields von seinen Kunden vehement gegen jede Kritik verteidigt. Es darf kein Betrug sein, wenn man selbst dort investiert hat!

Betrugsmaschen hören sich immer absolut super an, sind völlig simpel zu verstehen, bringen mega Renditen und zahlen am Anfang problemlos und überpünktlich aus. Es geht darum, eine Massenbewegung zu erzeugen, um möglichst schnell, möglichst viel Geld einzusammeln.

Gibt es ein Vertriebssystem?

Ein, auf Provisionen basierendes, Vertriebssystem bringt 100 Extra Punkte bei unserer Scam Bewertung. Denn es beschleunigt obigen Ablauf eines Betrugs exponentiell. Das hat sich inzwischen herumgesprochen.

Deswegen kommuniziert JuicyFields auch ganz klar, dass es kein Affiliate- oder Kunde-wirbt-Kunde-Programm gibt. Sie betonen selbst ganz deutlich, dass so etwas unseriös wäre.

Dennoch kannst du dich per E-Mail für ein solches Programm bewerben. Detaillierte Informationen über Provisionshöhen sind hingegen nirgends zu finden. Offiziell gibt es keine Vertriebspartner.

Extrem auffällig ist jedoch, dass JuicyFields-Links in sozialen Medien auf, „../?source=affiliate_name“ enden. Auch wenn dies erst mal nur ein ganz normaler Tracking Parameter ist, frage ich mich, warum so viele Leute Links auf JuicyFields Angebote posten und dabei diese Art von Link-Endung verwenden.

Wir wissen mittlerweile aus sicherer Quelle, dass es eben doch ein Affiliate Programm gibt, welches eine Provision in Höhe von 5% auf die Pflanzenkäufe neuer Kunden gewährt. 

Dazu gibt es Mindestumsätze, die erreicht werden müssen, um Provisionsberechtigt zu bleiben. Zum Beispiel muss jeden Monat einer neuer Kunde geworben werden.

Damit liegt ein weiteres Indiz für einen Betrug vor. JuicyFields hat sehr wohl ein Kunde-wirbt-Kunde Belohnungssystem, versteckt dieses jedoch überaus geschickt. Um überhaupt davon zu erfahren, muss man zuerst einmal selbst investiert haben, also überzeugt sein.

Was zum Teufel ist ein „Potpreneur“?

Die Startseite unter juicyfields.io liefert eigentlich gar keine Informationen. Ohne dich anzumelden, erfährst du nichts, außer dass sich der Cannabis Anbau lohnt. Für mich wäre allein dieser dürftige Auftritt bereits ein Grund, keinen Gedanken mehr an ein Investment bei dieser Firma zu verschwenden. 

Seit dem 7. März gibt es keine deutsche Version dieser Seite mehr. Die Aufsichtsbehörde BaFin hatte ähnliche Gedankengänge wie wir und JuicyFields hat daraufhin den Zugang in ihrem Zuständigkeitsbereich gesperrt. 

Deshalb können sich deutsche Residenten nicht mehr an der „Cannabis Crowdgrowing Platform“ beteiligen. Auch wenn ich insgesamt wenig von staatlicher Regulierung halte, bringe ich einiges an Verständnis für diesen Schritt auf und er fügt meiner Argumentation, dass es sich hierbei um einen Betrug handelt, ein weiteres wichtiges Indiz hinzu.

Neben den zwei Slogans, kannst du dich auf dieser Website nur anmelden, oder ein Konto eröffnen. Darüber hinaus gibt es eine Adresse in Amsterdam und Links zu FAQ, AGB und Impressum.

Fakten, Zahlen und eine Erklärung des Geschäftsmodells fehlen hingegen komplett. Präsentiert sich so ein seriöses Investment Business? Eher nicht.

Du wirst kein „Potpreneur“!

Hast du dich einmal angemeldet, kannst du im Backend Pflanzen kaufen und ihnen über hübsche Prozessbalken beim Wachsen zuschauen. Nach bestimmter Zeit wird deine Pflanze geerntet und getrocknet, dann kannst du  die Ernte per Mausklick verkaufen. Das nennt sich „Potpreneur“.

Doch kaufst du wirklich eine Pflanze? Läuft da tatsächlich ein Mensch in Portugal oder Kolumbien aufs Feld und bringt deine ganz persönliche Ernte ein? Klar wäre das nur schwer machbar! In den FAQ steht daher auch ganz deutlich:

„Die Pflanzen werden nicht gekennzeichnet. Wir nummerieren die Klone nicht, wir teilen die Pflanzenbestellungen auf mehrere Erzeuger auf und arbeiten mit dem Durchschnittsgewicht der Ernte. Das Ergebnis ist, dass alle Nutzer das gleiche Durchschnittsgewicht haben.“

Du bist also mitnichten Online Pot-Pflanzer, sondern einfach nur Geldgeber. Genau deswegen konnte die BaFin ihre Zweifel anmelden.

Für dein Geld wird dir kein Eigentum an konkreten Pflanzen verschafft, sondern deine Zahlung fließt in einen obskuren, großen Topf. 

Diese Täuschung ist allein darauf angelegt, die vielfältigen Pflichten regulierter Finanzdienstleister zu umgehen und die Kontrolle durch die Finanzaufsicht zu vermeiden. 

Allein die Kenntnis dieses Tricks sollte eigentlich ausreichen, um von einer Investition Abstand zu nehmen.

Völlig risikofreies Lock-Angebot

Die JuicyFields Angebote lesen wie aus einem Scam-Lehrbuch. Wie alle Betrugsmaschen bietet auch JuicyFields ein mega simples und super günstiges Einstiegsprodukt an. 

Das Lock-Angebot nennt sich „Juicy Flash“ und verspricht für ein 50€ Investment bei einmaliger Ernte zwischen 67,50 € und 82,50 € Profit nach 108 Tagen. Überschaubarer Preis, überschaubare Zeit und leicht zu verstehen.

Die weiteren Produkte kosten dann schon 2.000€ und variieren in der Laufzeit (3-5 Jahre), Anzahl der Ernten (2-4) und natürlich im Gewinn (3.600 € bis 12.000€).

So testest du erst mal mit der 50€ Pflanze, um die Gewinne nach den ersten Auszahlungen zu reinvestieren. 

Wenn das funktioniert, steigen die meisten gierig auf die größeren Produkte wie Juicy Haze mit 5 Jahren Laufzeit und 9.000 – 12.000€ Gewinn ein. 

In Werbe-Videos wird das Ganze als passive Einkommensquelle verkauft und ich selbst habe mir schon anhören müssen, dass begeisterte Anleger diese Gelder gleich in ihre weitere Lebensplanung einbeziehen.

Doch wer hat schon eine Ahnung davon, wie der Cannabis Markt und insbesondere die Preise in fünf Jahren aussehen werden? Der Markt wird sich mit ziemlicher Sicherheit ändern und die Zahlen könnten bis dahin ganz andere sein.

Sehr wahrscheinlich gibt es in fünf Jahren kein JuicyFields mehr.

Bestellung und Rechnung

Wie wir gesehen haben, werden hier mitnichten Pflanzen verkauft.

Das erklärt auch, warum es keinerlei Angaben zu Steuern gibt. Bei einem Verkauf würde nämlich dort, wo ein Eigentumsübergang stattfindet, zwangsläufig Mehrwertsteuer anfallen. 

Über diese, verpflichtende Abgabe, die immerhin rund 20% deiner Anlagesumme ausmachen würde, verliert JuicyFields denn auch nirgends ein Wort. Eine Steuernummer des verkaufenden Unternehmens suchen wir ebenfalls vergebens. Klar, es wird ja nichts verkauft!

Vor diesem Hintergrund fallen solche Kleinigkeiten, wie eine fehlende Widerrufsbelehrung, aussagekräftige AGB, oder eine Gerichtsstandsvereinbarung schon gar nicht mehr weiter ins Gewicht.

Die Zahlung erfolgt ausschließlich per Vorkasse-Überweisung an die Niederländische B.V. mit Bankverbindung auf Zypern. Alternativ mit Bitcoin.

Internationale Konten sind an sich nichts Schlimmes, dennoch frage ich mich ernsthaft, warum eine Niederländische Firma nicht auch ein Konto in den Niederlanden hat?

Etwas alarmierender ist, dass es keine Möglichkeit gibt, mit Kreditkarten oder Paypal zu bezahlen.

Jede Kartenzahlung kann nämlich, aus bestimmten Gründen, binnen 6 Monaten storniert werden. Die Zahlungsanbieter halten daher, je nach Risiko-Einschätzung, zwischen 10% und 20% der Einnahmen über diesen Zeitraum zurück. 

Doch schon vorher prüfen sie das Geschäftsmodell auf Herz und Nieren, um nicht auf den 80-90% sitzen zu bleiben, wenn sich die Rückbuchungen häufen. 

Kein seriöses, aufstrebendes Unternehmen würde auf diese Zahlungsarten verzichten. Sie machen es einfacher, Kunden zu gewinnen und bilden gleichzeitig Vertrauen. Fehlen sie, hat das einen ernsthaften Grund und auch das werte ich als ein weiteres Alarmsignal.

Das Greenpaper – Viele Worte, wenig Aussage

Wer es sich antut, das sogenannte „Greenpaper“ tatsächlich ganz zu lesen, stellt schnell fest, dass der gesamte Text ausschließlich darauf ausgerichtet ist dem Leser zu verdeutlichen, wie profitabel und risikolos das Modell ist.

Immer wieder werden Begriffe wie „simpel, einfach, legal, legaler Markt, ohne Risiko, geringe Risiken, erhebliche Verringerung des Risikos, größere Sicherheit oder auch größte Chance unseres Lebens“ benutzt. Und dabei sind wir erst auf Seite 4 des Greenpaper angekommen!

Warum sollte ein seriöses Unternehmen zudem Basisangaben, wie Handelsregisterdaten, Stammkapital, Risiken, oder gar den verpflichtenden Warnhinweis auf einen möglichen Totalverlust der Investition unterschlagen? 

Ganz einfach: je weniger das Unternehmen verspricht, desto schwieriger wird es sein, ihm eine Betrugsabsicht zu beweisen. Die falschen Versprechungen machen jene Unwissenden, die gerade erst selbst investiert haben. 

Das Management hat davon im Zweifel nichts geahnt, denn die Risiken lagen doch ganz klar auf der Hand. Oder?

Verworrene Strukturen sind kein gutes Zeichen

Wo wir gerade vom Management sprechen, wird es auch nicht so deutlich, wo dieses nun tatsächlich sitzt. Laut Web-Auftritt war die Juicy Grow GmbH zuerst in Berlin registriert. Nun entnehmen wir der Website, dass eine Juicy Holdings BV die Geschäfte übernommen hat, Geschäftsführer ist nicht mehr Viktor Bitner sondern ein Alan Glanse.

Der ist angeblich, dank 100 Bitcoin, die er 2012 gekauft hatte, plötzlich sehr reich gewesen. Mit diesem Geld hat er sich seinen Lebenstraum erfüllt und ist in den Cannabis Anbau eingestiegen. So jedenfalls die Legende.

Dazu drängt sich mir nun allerdings die Frage auf, warum seine Pflanzen unter Plastikplanen, oder in Zelten vor sich vegetieren. Mit derart viel Geld hätte er ohne weiteres in richtig professionelle Anlagen investieren können, wie seine Mitbewerber.

Suchen wir weiter, stoßen wir noch auf eine Juicy Fields AG in der Schweiz, für welche wiederum ein einschlägig bekannter Prinz als Geschäftsführer eingetragen ist.

Das ganze riecht einfach faul, wenn ich es mal rein logisch betrachte.

Lauter unnütze Zahlen

Statt dessen werden Marktprognosen in den Raum geworfen. Eine wilde Mischung von Zahlen über illegales, legales und manchmal medizinisches Cannabis. Die Angaben variieren dabei wahllos über die gesamte Welt.

Dazu finden wir den Hinweis, dass in Kanada 37 Millionen, den USA 327 Millionen und in Europa fast 743 Millionen Menschen leben. Das sind die komplette Einwohnerzahlen für die einzelnen Länder bzw. Regionen, vom Säugling bis zum Greis… Sicherlich sind nur ein Bruchteil davon, potentielle Cannabis Konsumenten. Konnte man die Zielgruppe nicht ein wenig genauer eingrenzen?

Ein Prospekt für eine Investitionsentscheidung sollte relevante Zahlen zu Kosten, Marktteilnehmern und Risiken beinhalten. Hier gibt es erst gar keinen Prospekt.

Im „Greenpaper“ findet sich ausschließlich Hype, der zu nichts weiter taugt, als die Gier zu wecken. Das scheint zu klappen.

Als ursprünglich deutsches Unternehmen musste die Juicy Grow GmbH in Berlin einen Jahresabschluß erstellen und veröffentlichen. Dieser ist im Bundesanzeiger zu bestaunen.

Laut eigener Aussage im JuicyFields Newsletter wurden 2020 12.5 Tonnen Cannabis geerntet.

Diese Menge hätte nach anderen Angeben von Juicyfields einen Wert von rund 37.5  Millionen Euro geschaffen. Im offiziellen Jahresabschluss finden sich jedoch nur knapp 316.786,00 Euro.

Hier fehlt ein zweistelliger Millionenbetrag und ich gehe davon aus, dass die Zahlen im Abschluss korrekt sind. Wer würde Steuern auf Einnahmen zahlen, die es gar nicht gab? Umgekehrt wäre es sehr unklug, derartige Einnahmen zu verschweigen.

Das Ganze wurde obendrein mit einem einzigen Mitarbeiter bewältigt, der dafür ein Gehalt in Höhe von ganzen 8.371,09 Euro bezogen hat.

Auch die Bilanz nicht direkt etwas mit Umsätzen zu hat. Man muss kein Genie sein, um festzustellen, dass die Firma zu arm für die behauptete Geschäftsvolumen ist.

Sagenhaft günstige Produktion 

Zur sagenhaften Profitabilität des Unternehmens findest du lediglich eine Tabelle, in welcher, beleglos, behauptet wird, dass die üblichen Produktionskosten für ein Gramm Cannabis zwischen 80 Cent und 2,80 Dollar liegen. JuicyFields schafft es, das auf sagenhafte 20-30 Cent zu reduzieren. Wie?

Cannabis wird seit 2.400 Jahren von Menschen angebaut und verwendet und jetzt kommt ein Wunderunternehmen und kann die Pflanzen plötzlich zu einem Bruchteil der Kosten produzieren? 

Selbst wenn das so wäre, würde es nicht lange dauern bis die anderen Unternehmen damit nachziehen und den Wettbewerbsvorteil ausgleichen. 

Es gibt keine Wunder-Unternehmen

Das Gesamtbild ist das gleiche wie bei allen anderen bekannten Scams. 

Es geht um ein unerfahrenes Unternehmen, das noch keine zwei Jahre am Markt ist und dennoch alles viel besser macht als alle anderen.

Die Unterlagen von JuicyFields sind derart voll von unglaubwürdigen Aussagen, dass wir noch seitenweise weiter darüber schreiben könnten. 

Tatsache ist jedoch, dass JuicyFields in der Argumentation und im Marketing extrem gut ist. Unerfahrene Investoren dürften es schwer haben, die Machenschaften zu durchschauen.

Auch nach dem BaFin Schritt sind die Foren voller Aufmunterung und „jetzt erst recht“ Parolen. Der Traum vom passiven Einkommen aus geringen Investitionen ist einfach zu schön.

Daher finden die Fans und Promoter jede Menge Ausreden, warum das alles nicht wahr ist. Alle Zweifel sind nur böse Vorwürfe von Neidern und engstirnigen Beamten. Für die Richtigkeit ihrer Annahme spricht jedoch nur, dass die Auszahlungen noch immer belegbar korrekt erfolgen. 

Das jedoch wird unserer Ansicht nach irgendwann vorbei sein. Denn alle Anzeichen deuten darauf hin, dass auch JuicyFields nichts weiter ist, als ein Ponzi-System.

Der Wettbewerb zeigt Transparenz

Auf der Suche nach ähnlichen Unternehmen zum Vergleich der Renditen, bin ich auf eine Plattform mit einem sehr ähnlichen Angebot gestoßen. 

Hier finden sich alle Informationen, übersichtlich dargestellt, auf der Website. Das Geschäftsmodell wird ebenfalls genau erklärt.

Hier gibt es tatsächlich Hallen zum Indoor Anbau von Cannabis und das Ganze ist lizensiert. Die Ernte geht zu einem Teil in medizinisches Marihuana, zu einem anderen Teil in legale CBD-Produkte. Selbstverständlich könnte ich diese Standorte auch besuchen und mich vor Ort von der Seriosität des Unternehmens überzeugen.

Mit meinem Geld erwerbe ich dort wirklich Pflanzen. Wie diese nach der Ernte tot sind, stellt mir das Unternehmen neue Klons zur Verfügung und das auf Lebenszeit. Folgerichtig werden mir beim Kauf auch Mehrwertsteuer berechnet. 

Zur Finanzierung eines aufwändigen Indoor Anbaus macht dieses Verfahren Sinn. Dementsprechend geringer ist hier auch die Rendite, sie liegt dennoch bei stattlichen 12%. Jedoch weit unter dem, was JuicyFields versprechen.

Edit: Aufgrund vielfach erhobener Vorwürfe, ich würde Werbung für die Konkurrenz machen, habe ich in diesem Absatz jeden Hinweis auf die Identität der von mir erwähnten seriösen Firma entfernt. Findet selbst und vergleicht.

Urteil im Indizienprozess

Wie gesagt, haben wir es uns nicht leicht gemacht, zu einer abschließenden Bewertung zu kommen. Am Ende ist es jedoch eine überwältigende Anzahl von Indizien, die mich zu dem Schluß kommen läßt, dass du dein Geld besser woanders anlegen solltest:

  1. Der Vergleich mit einem offenkundig seriösem Mitbewerber wirkt vernichtend.
  2. Es wird über den Charakter des Investments gelogen. Du kaufst keine Pflanzen und weißt nicht, wofür dein Geld verwendet wird.
  3. Die behaupteten Umsatzzahlen können nicht stimmen. In der öffentlichenBilanz finden sich knapp €300.000 an Vermögenswerten. Das passt nicht zusammen!
  4. Die in Aussicht gestellten Gewinnmargen sind auf dem Markt nicht erzielbar.
  5. Die Unternehmens Website liefert keine verwertbaren Informationen
  6. Es fehlen sowohl klare AGB, als auch weitere vorgeschriebene Informationen. Kein seriöses Unternehmen verzichtet auf diese Pflichtangaben.
  7. Die LKA Berlin bestätigt, dass es bereits gegen das Unternehmen ermittelt.
  8. Die BaFin hat einen Warnhinweis veröffentlicht.
Wenn es mal so weit ist, dauert es nicht mehr lange!

Hier riecht es nicht nach Marihuana, sondern einfach nach Betrug. 

Wer anderer Meinung ist, sei herzlich eingeladen, mich mit soliden Zahlen und Fakten eines Besseren zu belehren. Ich bin gespannt!

Nachtrag:

Vielen Dank für die Kommentare, auch von denen, die meinen Artikel für unseriösen Quatsch, oder Werbung für die Konkurrenz halten.

Wann immer sich eine Behauptung als Unwahrheit herausstellt, wird es seitens von JF sofort geändert. So geschehen mit einem Schwindel um eine Plantage in Costa Rica, oder nicht lizensierte Partner in Südafrika. Saubere Arbeit! Es ist wirklich schwer, bis unmöglich einen Schwindel nachzuweisen. Ich werde keine weitere Lebenszeit auf etwas verschwenden, was dem Rennen zwischen Hase und Igel ähnelt.

Natürlich laufen auch noch die Auszahlungen problemlos! Das ist die erste Voraussetzung dafür, dass alte Kunden neue Kunden davon überzeugen ebenfalls einzusteigen.

Die Auszahlungen werden erst dann verzögert, wenn die Anzahl der neuen Investoren beginnt zu stagnieren.

Schaut euch doch einfach an, wie sich seriöse Unternehmen der Cannabis Branche präsentieren:

https://ir.curaleaf.com

Von denen kann man einfach Aktien kaufen – und die laufen gar nicht mal so besonders.

Du kannst dich nicht reich sparen!

Einige der reichsten Männer der Welt sind als enorm sparsam bekannt. Warren Buffet wohnt seit über 60 Jahren im gleichen Haus und Jeff Bezos fuhr noch als Milliardär einen 20 Jahre alten Honda. 

Sparsamkeit gilt inzwischen als die Kardinaltugend einer ganzen Bewegung, die sich zum Ziel gesetzt hat, möglichst früh im Leben „finanziell frei“ zu sein. Die Vorstellung, im Alter von Jahren 40 nie wieder arbeiten zu müssen, scheint es ihnen wert zu sein, 20 Jahre lang mangelhaft zu leben. Im Wortsinn.

Wir Kapitalistenschweine halten das für ziemlich unsinnig. Obwohl wir selbst durchaus auch mal Sparschweine sein können.

Von nichts kommt nichts

Das durchschnittliche Nettogehalt eines Arbeitnehmers, und das sind wohl die meisten, beträgt knapp 2.100 Euro. Frugalisten empfehlen nun, davon 50% zu sparen, manche sogar 60%. Egal von welchem Grundeinkommen und welcher Sparrate ich nun ausgehe, das Endergebnis bleibt in etwa das Gleiche.

Der moderne Sparfuchs investiert in ETF und dann am besten gleich in einen Indexfonds, der die Wirtschaftsleistung der ganzen Welt abbildet. Die MSCI World Fonds stehen ganz oben auf der Liste, mit einem Wertzuwachs von bis zu 10% p.a., In den letzten Jahren, als die Indizes von Rekordhoch zu Rekordhoch eilten, war das kein Problem.

Über die letzten 20 Jahre gerechnet, waren es im Durchschnitt  6,5% und die habe ich in diesem Beispiel zugrunde gelegt: 

Nach 20 Jahren Knauserei wird unser Sparfuchs ein Endkapital von rund 400.000 Euro zusammengekratzt haben. Das hört sich doch gut an! 

Das ist es aber nicht, denn die Kaufkraft des sauer Ersparten sinkt natürlich ebenfalls mit der Inflation. Die 400.000 Euro verlieren während der Ansparzeit runde 25% und es bleiben am Ende knappe 300.000 Euro zur Verrentung. Das entspricht einer Netto-Rendite von 3%, ziemlich die guten alten Sparbuchzinsen, die wir älteren Semester noch kennen. 

Bei 4% „safe withdrawal rate“ reicht das für eine Rente von genau 1.000 Euro pro Monat. Doch auch diese müssen wir natürlich um den Kaufkraftverlust bereinigen, so dass sie ganzen 750 Euro im Jahr 2042 entsprechen. Das gilt, wohl gemerkt, nur dann wenn alles genau so weiter geht wie bisher! 

Eine Korrektur der Märkte, könnte das Ganze noch viel magerer aussehen lassen. Ich habe auch im Inflationsrechner auch nur die „offiziellen“ historischen Werte zur Berechnung der Inflation eingegeben. Rechne ich mit, realistischeren 5%, für die Zukunft, stehen am Ende nicht einmal 300.000 Euro, sondern nur noch ganze 150.000 Euro. 

Geiz ist nicht geil

Der Gedanke an zukünftigen Wohlstand durch gegenwärtigen Verzicht ist noch immer fest in den Köpfen verankert, doch es funktioniert einfach nicht mehr. Sparen, um irgendwann vom Ertrag des Ersparten leben zu können, ist ein Modell von gestern. 

Mal ganz ehrlich, sparen und knausern entspricht doch so gar nicht unserer Natur. Das Leben macht einfach keinen Spaß ohne Großzügigkeit und gelegentlichen Luxus. 

Ich habe den größten Teil meines Lebens in südlichen Gefilden verbracht und dort wird einfach sorgloser gelebt. Dort, wo die Zitronen blühen, besitzen viel mehr Menschen schon seit Generationen das eigene Dach über dem Kopf und ganz oft auch ein kleines Stückchen Land dazu. Davon und damit läßt sich immer über-leben und der Lohn der Arbeit kann dafür verwendet werden, es sich gut gehen zu lassen. Es kommt dort auch eher jeden Tag eine gute Flasche Wein auf den Tisch, als ein teures Auto vors Haus. Was die Nachbarn denken ist dem Südländer egal, denn die denken ja schließlich genauso.

Sparsamkeit ist eher eine Tugend nördlicher Länder, in denen die Natur weniger großzügig ist. Dort, wo der Schnee das Land bedeckt und die Böden frieren läßt, war sie eine Überlebensfrage. 

Der moderne Mensch muss sich das, dank Globalisierung und fossilen Brennstoffen, jedoch nicht mehr zu eigen machen. 

Der große Mangel

Wer extrem sparsam ist, hat wenig Vertrauen. Wenig Vertrauen in die Natur, wenig Vertrauen in die Welt, doch insbesondere wenig Vertrauen in seine eigenen Fähigkeiten!

Ihr kennt doch die Frage, ob das Glas halb voll, oder halb leer ist. Ein Sparfuchs wird immer „halb leer“ sagen, dabei ist das „halb voll“ mit dem ein Investor antworten würde genauso korrekt. Der Sparfuchs rechnet mit harten Zeiten, der Investor blickt optimistisch in die Zukunft. Beide haben recht.

Dennoch gibt es zwischen den beiden Standpunkten einen sehr entscheidenden Unterschied: 

Der Sparer denkt: es gibt nicht genug und hält fest, was er festhalten kann! Der Investor hingegen denkt: es gibt keine Grenzen und gibt sein Geld zurück in den Kreislauf der Wirtschaft. 

Welcher von den beiden, denkst du, wird mehr Freude am Leben haben? Das ist relativ klar. Doch welcher von den beiden wird dereinst der reichere Mann auf dem Friedhof sein? Ich würde auch in dieser Frage jederzeit mein bescheidenes Vermögen auf den Investor setzen!     

Der Sparer hat Angst zu verlieren, der Investor hat Lust darauf zu gewinnen. Weil er weiß, dass die Güter unbegrenzt sind. Begrenztes Denken schafft begrenzte Ergebnisse. Grenzenloses Denken schafft grenzenlosen Wohlstand. Du glaubst das nicht? Lebst du nicht etwa in einer Gesellschaft, die genau darauf beruht?

Wer sich aus Angst vor der Zukunft die kleinen und auch großen Freuden des Daseins versagt, lebt im Mangel. Dort wird er auch immer bleiben, ganz egal, wie viel Geld er am Ende auf dem Konto hat. Denn Mangel ist nicht eine Frage der Zahlen, sondern eine Frage des Denkens.

Wer mehr verdient kann mehr sparen!

Zum Kapitalistenschwein wirst du nicht dadurch, dass du immer weniger ausgibst. Sondern dadurch, dass du stets mehr einnimmst, als du ausgibst. Aus dem Grund habe ich es schon immer vorgezogen, mehr verdienen zu wollen. 

Vor 40 Jahren, träumte ich davon, einen Ferrari zu fahren, doch ganz bestimmt nicht davon, mit 40 in Rente zu gehen! Heute fahre ich nur noch ein Fahrrad, weil ein italienischer Supersportwagen an meinen beiden Lebensorten eine sehr schlechte Idee wäre. 

Der Ferrari, den ich nie hatte, hat mir jedoch unglaublich viel geholfen. Der Kaufpreis eines 308 GTS (bekannt aus der Serie Magnum) diente mir dazu, ein Ziel zu visualisieren. Damals 100.000 Deutsche Mark (heute reden wir über 300.000 Euro) einfach mal so für ein Auto übrig zu haben, hielt mein gesamtes Umfeld für schlichtweg unmöglich. Obendrein für völlig verwerflich.

Ich habe meine Klappe gehalten und mich an die Arbeit gemacht. Statt Ferrari gab es erst mal rostige Renaults. Denn mir war klar geworden, dass ich als Anwalt so schnell keinen Ferrari fahren würde. Für einen Gebrauchtwagenhändler lag das wesentlich näher, trotz vernichtendem Sozialprestige. 

All jenen, die gern früh in Rente gehen möchten, jenen die finanziell frei sein möchten, kann ich daher nur nahelegen, dieses Ziel bereits bei der Berufswahl im Auge zu haben. Heute wirst du es eher als Installateur im Gas-Wasser-Scheiße Business erreichen, denn als angestellter Erbsenzähler mit BWL Studium. 

Wenn du statt der angenommenen 1.000 Euro Sparrate, 5.000 Euro sparen kannst, hast du nach 20 Jahren schlanke 2 Millionen auf der hohen Kante.

Lästige Teilhaber vermeiden

Wenn wir das berücksichtigen verbietet es sich schon fast, jemals als Angestellter zu arbeiten. Karl Marx hatte völlig recht mit seiner „Mehrwert-Theorie“, der Löwenanteil deiner Produktivität landet tatsächlich nicht in deiner Tasche, wenn du deine Lebenszeit verkaufst. Du hilfst mit, den Traum eines Anderen zu verwirklichen statt deines eigenen.

Wenn du maximale Ergebnisse erzielen willst, bleibt dir nur der Weg, auf eigene Rechnung zu arbeiten. Wenn du etwas kannst, oder eine gute Idee hast, hab keine Angst. Der Schritt in die Selbst-Verantwortung ist halb so schwierig, wie es dir glauben gemacht wird. Frag uns Kapitalistenschweine, wir helfen dir gerne dabei.

Als Unternehmer hast du obendrein viel bessere Möglichkeiten, dein Einkommen dem gierigen Zugriff des Staates zu entziehen. Geschickt ausgestaltet, darfst du deine Investitionen von der Steuer absetzen und auch noch einiges an persönlichem Luxus in diese Rechnung einbeziehen. 

Als echtes Kapitalistenschwein kannst du dich sogar internationalisieren und ebenso steuerfrei agieren wie ein böser Großkonzern. Es ist alles (oft) nur eine Frage der Gestaltung. Und die steht (fast) jedem offen, der weiß wie es geht! 

Ersetze „und“ durch „oder“

Nachdem wir uns um die Habenseite gekümmert haben, dürfen wir endlich ans Sparen denken. 

Dabei fällt mir als erstes jene Art von Ausgaben ein, die Folgekosten verursachen. „Mein Haus, mein Boot, mein Auto“ lautete ein Slogan der Sparkasse und damit haben wir auch schon drei prominente Geldvernichtungsmaschinen benannt. Kann man machen, wenn es einem wirklich am Herzen liegt, aber bitte nicht alle drei auf einmal. Klugerweise solltest du fragen: Ein Haus, oder ein Boot, oder ein Auto? 

Überhaupt macht es Sinn, sich bei jeder Ausgabe zu fragen, ob sie wirklich notwendig ist. Wenn du das konsequent tust, wirst du staunen, wie oft du darauf verzichten kannst. 

Verzichten ist gut, denn jedes Ding hat ja nicht nur Geld gekostet, sondern es bindet Energie. Du musst es lagern, instand halten und wenn du es gar nicht mehr gebrauchen kannst, musst du dich noch um die Entsorgung kümmern. 

Mir bereitet es große Freude, genau zu überlegen, was ich in meinem Leben haben will und diese Gegenstände sorgfältig auszuwählen. Ich besitze nicht viel, doch alles, was mich umgibt, ist von guter Qualität und schön anzusehen.

Es gibt genügend Blogs, die sich dem Thema Sparen widmen, daher möchte ich hier nicht weiter auf Details eingehen.

Weniger ist mehr

Minimalist zu sein, hilft nicht nur dabei, Geld zu sparen. Wer gelernt hat, sein Leben nicht mit Unnützem anzufüllen, wird auch in allen anderen Dingen größere Disziplin an den Tag legen. Dein Geist ist frei für die wirklich interessanten Aufgaben. Du könntest zum Beispiel überlegen, womit du anderen Menschen helfen kannst.

Nahezu alle großen Vermögen sind daraus entstanden, dass jemand eine Idee hatte, mit deren Hilfe die Probleme vieler anderer Menschen gelöst werden konnten. 

Warren Buffet und Jeff Bezos mögen sparsame Menschen sein, doch sie haben sich nicht reich gespart. Beide haben ihre unglaublichen Vermögen dadurch erworben, dass sie Lösungen für Probleme anbieten konnten. Ich habe mein Geld zwar nicht bei Berkshire Hathaway angelegt, doch lese ich jeden Tag Bücher von Amazon. 

Wenn du deine Energie nicht aufs Festhalten, sondern aufs Geben lenkst, wirst du in viel kürzerer Zeit viel mehr erreichen. Dann kannst du dir auch 20 Jahre Sklavendasein und 40 Jahre mickrige Rente er-sparen.

Einwanderung nach Mexico

Mexico ist ein beliebtes Ziel von Nomaden und sonstigen Freiheitssuchenden geworden, gefühlt hat sich die halbe Staatenlos Community an der Riviera Maya versammelt. 

Die Regierung des Landes hat die weltweiten Corona-Maßnahmen zwar nominell übernommen, doch eben nur überaus halbherzig umgesetzt. Auch von einer Impfpflicht ist hier keine Rede und schon gar nicht für Ausländer.

Kein Wunder, dass Viele kommen und einfach bleiben, kein Wunder, dass die Regierung jetzt die Gangart gegen illegale Einwanderung verschärft hat.

Die Telegram- Gruppen kochen über von Meldungen. Ich habe in der letzen Woche zwei Gespräche mit der, überaus kompetenten, Hotline der Einwanderungsbehörde geführt und dabei folgendes erfahren:

Einreise mit Touristenvisum

Die bisherige Praxis war, dass Jeder bei der Ankunft ein Visum über großzügige 180 Tage erhalten hat. Dieses konnte problemlos mit einem Visa-Run um weitere 180 Tage verlängert werden. Ich kenne Leute, die das seit Jahren problemlos betrieben haben. Das ist nun vorbei!

Die „bis-zu 180 Tage“ Regel gilt zwar noch immer, doch wird sie nicht mehr selbstverständlich angewandt. Ganz oft werden eben nur noch 10 Tage Visum vergeben. Um das Ganze noch schlimmer zu machen, ist die Anzahl der Tage oft nicht zu erkennen, da der Einwanderungsbeamte nur ein paar Hieroglyphen auf das Papier kritzelt.

  1. Daher unbedingt ein Rückflugticket für den gewünschten Zeitpunkt buchen und gleich mit über den Tresen schieben.
  2. Die gewünschte Anzahl von Tagen selbst in der Einreisekarte eintragen. Diese kann man selbst generieren und herunterladen.
  3. Einen Grund angeben, weswegen man nach Mexico gekommen ist. Tourist allein gibt eben 10 oder 14 Tage. Es ist besser zu sagen, dass man Freunde im Land besucht, das Land besser kennenlernen möchte, oder auch, dass man in Immobilien investieren möchte. Dabei sollte man natürlich nicht aussehen wie ein Rucksacktourist. Überhaupt empfiehlt es sich, ein paar Brocken Spanisch zu können.
  4. Sofort überprüfen, ob die gewünschte Anzahl von Tagen im FMM-Dokument klar ersichtlich ist. Ansonsten unbedingt gleich vor Ort reklamieren! Der Wert ist später nicht mehr zu

Hier ist der Link zur Einreisekarte:

https://www.inm.gob.mx/fmme/publico/solicitud.html

Meine Freundin reist mehrmals im Jahr für Zeiträume von bis zu zwei Monaten ein und erhält jedes Mal problemlos ein Visum über den gewünschten Zeitraum. 

  1. Sie hat ein Rückflugticket 
  2. Zwischen ihren einzelnen Ein-und Ausreisen liegt immer mindestens ein Monat und sie reist aus Übersee ein, nicht aus einem Nachbarland.
  3. Als Grund gibt sie an, dass sie wieder einmal eine Zeit bei ihrem Freund leben möchte. 
  4. Sie wirkt solvent und spricht als Spanierin perfekt Spanisch.

Ein Nomadenleben mit mehreren Aufenthalten in Mexico – bis zu 180 Tagen pro Jahr – ist also auch weiterhin mit Touristenvisum möglich. Es genügt halt nur nicht mehr, mal kurz eben mit dem Bus über die Grenze nach Belize zu fahren. 

Ganz so offensichtlich lassen sich die Behörden nicht mehr austricksen.

So sieht es aus, wenn alles geklappt hat. Der Beamte hat brav seinen Kringel um die maximalen 180 Tage gemacht.

Visum abgelaufen, was tun?

Es ist nicht mehr so lustig die Aufenthaltsdauer zu überziehen. Ich habe mittlerweile von einigen Fällen gehört, in denen „Sünder“ tatsächlich in Abschiebehaft genommen wurden, bevor man sie in einen Flieger gesetzt hat. Diesbezügliche Kontrollen wurde mir aus beliebten Nomadencafés, Busstationen und sogar vom Strand berichtet. Man sollte es ernst nehmen!

Es gibt nämlich nur zwei legale Wege, ein abgelaufenes Visum zu legalisieren und das wäre über die Geburt eines Kindes, oder durch Heirat. Das sind die sogenannten „Humanitären Gründe“.

Für Mexico Freunde, die zwischen 2015 und 2019 mindestens eine vorherige Einreise vorweisen können (also zwei mit der aktuellen), gibt es die Möglichkeit den illegalen Status auf eine 4-jährige Residencia zu legalisieren.

Diese Legalisierung kann bei der Einwanderungsbehörde unter Vorlage des Reisepasses, des abgelaufenen FMM-Dokuments und einer Quittung über die Zahlung der Strafe in Höhe von MXN 13.129 (etwa €560) beantragt werden.

Dieses Programm wurde für Leute geschaffen, die wegen der “Pandemie” in Mexico gestrandet waren und es gilt noch immer. Man sagt, nicht mehr für lange, doch es wird halt so Vieles gesagt. Fakt ist jedenfalls, dass ich letztes Jahr auf diesem Weg zu meiner eigenen Residencia gekommen bin.

Für alle anderen bleibt wirklich nichts anderes übrig, als das Land zu verlassen, ein paar Wochen woanders zu bleiben und dann wieder einzureisen.

Für die Überziehung des Visums muss, wie gesagt eine Strafe bezahlt werden. Dafür muss man sich bereits vor dem Check-In an das Einwanderungsbüro am Flughafen wenden. Bitte plant dafür genug Zeit ein, ohne Quittung über die bezahlte Strafe gibt es keine Bordkarte! 

Die Höhe der Strafe richtet sich nach der Anzahl der Tage. Genaue Werte kenne ich nicht, doch die Beträge sind überschaubar, zwischen 45 und 600 Euro. Bitte auch das einplanen! Mit einem abgelaufenen Visum bei der Einwanderungsbehörde am Airport zu stehen und nicht zahlen zu können, ist so ziemlich das Letzte was ihr brauchen könnt!

Arten von Aufenthaltsgenehmigungen

Wer sich rechtssicher in Mexico niederlassen möchte, wird nicht um eine sogenannte „Residencia“ herumkommen. Eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung berechtigt zum Aufenthalt im Land und zu beliebigen Ein-und Ausreisen.

Sie wird in drei Stufen vergeben:

  1. Residencia temporal para 1 año. Das ist der Einstieg und er ist Pflicht.
  2. Residencia temporal para 4 años. Nach Ablauf des ersten Jahres, kann die einjährige Aufenthaltsgenehmigung um vier Jahre verlängert werden. Das kann nur im Land selbst erfolgen. Also nichts für „Flaggensammler“!
  3. Residencia permanente. Nach Ablauf der vier Jahre bekommt man dann endlich die unbefristete Aufenthaltsgenehmigung. Sie wird auch aus den vorgenannten „humanitären Gründen“ vergeben. Eine weitere Möglichkeit, sofort die „Permanente“ zu bekommen, ist Immobilienerwerb im Wert von mindestens USD 200.000.

Bedingungen für die Residencia

Hier herrscht große Unklarheit, denn es werden sehr unterschiedliche Anforderungen an den Einwanderer genannt. Grundsätzlich gibt es diese Einreisegründe:

  1. Familienzusammenführung. Heirat mit einer Mexikanerin, oder Geburt / Adoption eines Kindes mit mexikanischer Staatsangehörigkeit. Das ist einzige Residencia, die während eines Aufenthalts beantragt werden kann. 
  2. Arbeitsaufenthalt. Hierfür muss der künftige Arbeitgeber einen Antrag an die Einwanderungsbehörde stellen. Mit diesem Antrag kann dann ein Visum beim zuständigen mexikanischen Konsulat beantragt werden.
  3. Studienaufenthalt. Hierfür muss eine Bescheinigung der Schule / Universität vorgelegt werden. Außerdem Nachweise über die Finanzierung des Aufenthaltes. Dann führt der Weg wieder über ein Konsulat.
  4. „Rentista“. Das Wort „Rente“ steckt bereits drin, doch ist hier jeder gemeint, der aus seinem Vermögen, sonstigen Einkünften und natürlich auch seiner Rente leben kann. Die meisten von uns dürften in diese Kategorie fallen.

Welche Anforderungen gestellt werden, um ein „Rentista“ werden zu können, darüber kursieren eine ganze Menge unterschiedlicher Informationen. Und die scheinen alle richtig zu sein!

Bei der Einwanderungsbehörde gibt es nämlich keinen zentralen Katalog, es obliegt jedem mexikanischen Konsulat vor Ort, diese Anforderungen selbst festzusetzen. So kommt es, dass man in Belize schon mit einem Einkommen von 800 USD pro Monat als wohlhabend genug gilt, während die Botschaft in Berlin einen Nachweis über rund 1.600 Euro monatlich fordert.

Wer keine laufenden Bezüge hat, kann seine Solvenz auch mittels Bankguthaben, oder Depotwerten nachweisen. Die erforderliche Höhe der Guthaben variiert ebenfalls.

Ein, ziemlich vermögender, Freund muss sich selbst seit Monaten ein Gehalt zahlen. Das mexikanische Konsulat in Miami will nämlich überhaupt keine Depotauszüge sehen, sondern Gehaltsnachweise. Punkt basta!

Das gilt natürlich auch für die Form in welcher diese Nachweise zu erbringen sind. Ich habe sowohl davon gehört, dass einfache Screenshots ausreichen, als auch, dass die Bank jede einzelne Seite der Konto Auszüge mit Stempel und Unterschrift beglaubigen musste. 

In mir keimt der Verdacht, dass es nicht einmal innerhalb der einzelnen Konsularabteilungen feste Regeln gibt, sondern dass der jeweilige Beamte diese nach eigenem Gutdünken und im Einzelfall aufstellt.

Alles, was ihr zu diesem Thema an Widersprüchlichem hört oder lest, könnte also durchaus stimmen.

Die einzig übereinstimmende Zahl bei allen Quellen, ist der Nachweis von Immobilienbesitz im Wert von USD 200.000 zum sofortigen Erhalt der “Residencia Permanente”. Zu erbringen mittels Treuhandvertrag mit einer mexikanischen Bank.

Das Prozedere beim Konsulat

Es hilft also alles nichts, du musst einen Termin bei der zuständigen Botschaft, oder dem Konsulat machen. In Deutschland sind das die Botschaft in Berlin und das Konsulat in Frankfurt. Von Letzterem habe ich allerhand Gutes gehört.

Besser, wenn du näher an Frankfurt wohnst, denn das Konsulat muss auch für deinen Wohnort zuständig sein. Mal eben von Belize aus beantragen, weil die Anforderungen so schön niedrig sind, geht also nicht. Für Wohnsitzlose könnte allein das zu einer Herausforderung werden. 

Dort wirst du zu deinen persönlichen Verhältnissen befragt und es wird alles geprüft. Das sollte zwischen 14 Tagen und einem Monat dauern.

Geht alles gut, bekommst du ein Einreisevisum in den Paß geklebt, mit welchem du nach Mexiko zum Zwecke der Einwanderung einreisen darfst.

Das Prozedere in Mexico

Den Prozess musst du sodann mit einem Termin bei der örtlichen INM abschließen.

Es empfiehlt sich, den Termin bei der Behörde in Mexico mit genügend Vorlauf zu planen. Das geht online, hier: https://citas.inm.gob.mx/foreign/login/

Du musst dort ein Konto erstellen und kannst dann mittels der Vorgangsnummer, die du vom Konsulat erhalten hast, deinen Termin vereinbaren. 

Derzeit dauert es an der Riviera Maya gute 3 Monate, einen Termin für die Abholung der begehrten Karte zu bekommen. 

Offiziell hast du jedoch nur ein Visum für 30 Tage. Mir wurde zwar versichert, dass das Visum zusammen mit dem Nachweis über die Terminvereinbarung ausreicht, um eine Ausweisung zu verhindern, doch wer möchte schon solche Diskussionen führen? Also am besten den Termin machen, bevor du los fliegst.

Einmal in Mexico angekommen, darfst du dir gleich noch ein Formular zur Begleichung der Kosten herunterladen.

Das geht hier: https://www.inm.gob.mx/gobmx/derechos/

Mit diesem Formular ausgestattet gehst du dann zu einer Bankfiliale und zahlst den Betrag von MXN 4.379 ein. Bitte von allen Dokumenten 3 Kopien machen und mit zum Termin nehmen.

Hast du es bis hierhin geschafft, kann eigentlich nichts mehr schief gehen! Wenn du alles richtig ausgefüllt hast, (Bitte wirklich sorgfältig arbeiten) geht es dann ganz schnell. Fingerabdrücke nehmen, Foto per Computer Cam aufnehmen und schon kommt die begehrte Karte aus dem Drucker.

Vier Jahre Ruhe! Viva Mexico!

Vorsicht mit der Adoptionsnummer!

Es wäre nicht Mexico, wenn es nicht auch ein reichhaltiges Angebot “inoffizieller” Lösungen gäbe. Für mehr oder weniger viel Geld ist hier alles zu bekommen.

So auch die “Residencia Permanente”. Ganz ohne Wartezeit und ohne Immobilien Investment. Für gut 7.000 US-Dollar bieten einige Anwaltskanzleien an, die Adoption eines Kindes zu arrangieren (oder zu fingieren?), was de jure zum sofortigen Erhalt einer Daueraufenthaltsgenehmigung berechtigt.

Es liegt mir fern, das moralisch zu bewerten. Doch allein der Gedanke, dass ich mit dem Recht des Aufenthalts, auch ganz nebenbei einen Erben und eine mögliche Verpflichtung zum Unterhalt erwerbe, macht derartige Angebote für mich unannehmbar. Ein Kind in Mexico zu haben, führt obendrein automatisch zur Steuerpflicht mit dem gesamten Welteinkommen.

Ich hoffe, mein Artikel bringt etwas Klarheit. Für weitere Fragen könnt ihr euch gern per mail an mich wenden. Ich vermittle auch kompetente Hilfe beim Durchlaufen des Einwanderungsprozesses. Die Kosten dafür betragen EUR 500